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Interview

Cannabis groß in Mode

Halb Hollywood setzt schon auf Hanf-Produkte – Stylebop-Gründer Mario Eimuth bringt die hippen Helferlein jetzt nach Deutschland

Er verkaufte als einer der ersten Luxus-Mode im Internet: Mario Eimuth. 2004 gründete er Stylebop und machte mit dem Luxus-Online-Portal für Designer-Labels Frauen in aller Welt glücklich. Doch Couture-Roben, Stilettos und It-Bags sind für ihn Vergangenheit, vor gut zwei Jahren verkaufte Eimuth das bekannte Online-Portal.

Der Mode-Experte, der bei den Fashion-Shows in der First Row saß und bei seinen hippen Fashion-Partys umgeben war von Stars und Top-Models, macht jetzt in Medizin. Genauer gesagt in Cannabis und zählt damit – wie in der Vergangenheit auch – hierzulande zu den Allerersten. Mit seinem Bruder Thorsten Eimuth gründete er Adrexpharma und bringt Cannabisprodukte in Deutschlands Apotheken. Cannabidiol, kurz CBD, ein Inhaltsstoff des weiblichen Hanfs, bildet die Basis für die Produkte. Medizinisch wirkt CBD entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gegen Übelkeit.

#vipsinthecity: Von der Couture zum Cannabis – wie kamen Sie von der Mode- in die Pharmabranche?

Mario Eimuth: Durch Zufall. Ein guter Freund hatte einen schweren Bandscheibenvorfall. Die OP ist leider schiefgelaufen, so dass er zum Dauerschmerzpatienten wurde. Er musste jeden Tag starke Schmerzmittel einnehmen. Die Dosis des Medikaments wurde immer höher, die Nebenwirkungen auch! Als im März 2017 das Cannabis-Gesetz im Bundestag verabschiedet wurde, schlug ihm sein Arzt eine Cannabis-Therapie vor. Diese war so erfolgreich, dass er heute keine klassischen Schmerzmittel mehr einnehmen muss. Er inhaliert morgens und abends die Cannabis-Medikamente mit dem Vaporisator – mehr nicht. So kam es, dass ich mich mit dem Thema intensiv beschäftigt habe.

In Hollywood sind Cannabis-Produkte schon ein Mega-Trend…

CBD ist eine Bewegung, die in den USA seit zwei Jahren läuft und immer mehr zunimmt. Es gibt viele Hollywood-Schauspieler, die zu diesen Produkten greifen und dies auch kundtun, ohne eine Marke zu nennen. Es schwappt von Amerika nun nach Europa rüber.

Wie wurde aus einer Idee ein Business?

Durch die Legalisierung ist ein komplett neuer Wissenschaftszweig und eine völlig neue Industrie entstanden. Mein Bruder Thorsten und ich haben Adrexpharma zusammen mit einem Schulfreund, dessen Familie seit 200 Jahren in der Pharmabranche tätig ist, gegründet. Wir haben eine Drei-Säulen-Strategie entwickelt: Die erste Säule sind Nahrungsergänzungsmittel, also die CBD-Produkte, die frei in den Apotheken erhältlich sind. Dann, als zweite Säule, die Cannabis-Blüten und -Extrakte, die zu den verschreibungspflichtigen Betäubungsmitteln zählen. Unsere dritte Säule ist die Weiterbildung auf diesem Gebiet von Ärzten und Apothekern. Mit den CBD-Produkten sind wir seit September letzten Jahres bundesweit in 20.000 Apotheken vertreten.

Bei Cannabis denken viele nicht gleich an Medizin.

Das Wichtigste ist es, zu erklären, dass es zwei unterschiedliche Hauptbestandteile der Pflanze gibt: Das nicht-psychoaktive CBD, das die Basis für unsere Nahrungsergänzungsmittel bildet und das psychoaktive THC, bei dem es sich um ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel handelt. Meine Aufgabe ist es, mein Wissen zu teilen und den Menschen die vielen guten Seiten und die natürliche Kraft dieser Heilpflanze näher zu bringen. Es geht darum, die tradierten Strukturen, die in den letzten 50, 60 Jahren entstanden sind, aufzubrechen.

Hanf ist seit 12.000 Jahren eine Kultur-und Heilpflanze, deren Wirkung schon die Mayas kannten.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Cannabis die meist verschriebene Pflanze zur Schmerz-Therapie in den USA! Durch wirtschaftspolitische Interessen wurde Cannabis in eine bestimmte Ecke gedrängt und weltweit verboten. Aktuell findet in immer mehr Ländern eine Neu-und Umbewertung statt.

Mode und Medizin – das sind ja zwei Paar Stiefel…

Für mich nicht, von der Struktur her sind beide Bereiche sehr ähnlich. Ich bin ein Mensch, der disruptive Systeme liebt. Als wir mit dem E-Commerce angefangen haben, war dieser genauso marktverändernd für den Einzelhandel, wie Cannabis heute für den Pharma-Bereich. Das ist es, was mir so viel Spaß macht: amorphe Strukturen vorzufinden, diese neu zu strukturieren und etwas Neues daraus zu machen. Ich habe mir in den letzten zweieinhalb Jahren sehr viel Wissen angeeignet und werde mittlerweile als Speaker zu internationalen Konferenzen eingeladen.

Vermissen Sie den Mode-Glamour nicht manchmal?

Ich bin nie jemand gewesen, der in diese Glamour-Welt abgetaucht ist oder sich darin verloren hat. Es war ein Bestandteil dessen, was die Mode-Industrie ausmacht. Übrigens gehen die Apotheker-Kongresse immer mehr in den Lifestyle-Bereich und finden in Metropolen wie Paris, London, Barcelona oder Toronto statt. In den USA und Kanada werden Cannabis-basierte Produkte auch zunehmend zum Lifestyleprodukt. Die Getränke- und Tabakindustrie haben hier bereits investiert. Da werden wir in den nächsten Jahren noch jede Menge spannende Entwicklungen und Veränderungen erleben.

War Ihnen nach dem Verkauf von Stylebop eigentlich langweilig?

Eine Mission zu haben finde ich großartig. Früher war es meine Aufgabe, Trends schneller nach Deutschland zu bringen und Menschen im ästhetischen Bereich zu stärken. Wenn ich heute erfahre, dass es jemandem dank unserer Produkte gut geht, dann wird mir durchaus warm ums Herz.

Text: Gesine Jordan + Andrea Vodermayr // Fotos: (c) Mike Meyer (2), Adrexpharma – Andreas Achmann

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