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„Sie muss in die Welt hinaus!“

Luisa Wöllisch ist der geheime Star des neuen Kino-Films DIE GOLDFISCHE! Die Tutzingerin mit dem Down-Syndrom begeistert Publikum wie Kollegen mit ihrem großartigen schauspielerischen Talent.

Luisa Wöllisch ist 22 Jahre alt, lebt bei ihrer Mutter Eva (54, Montessori-Lehrerin), hat das Down-Syndrom und spielt im neuen Kino-Knaller DIE GOLDFISCHE ihre Co-Stars Tom Schilling (37), Axel Stein (37), Jella Haase (26) und Kida Ramadan (42) an die Wand! Für die BILD besuchte ich zusammen mit Fotograf Stefan M. Prager Luisa zu Hause in Tutzing am Starnbergersee.

Das Mehrfamilienhaus steht am Rand des Dorfes in einer Sackgasse – moderner Landhaustil, innen wie außen. Ihr Zimmer ist aufgeräumt und verrät nicht viel: Zwei Hobbit-Plakate an den Wänden, im Regal eine Musikanlage, denn Musik hören und tanzen ist ihre Leidenschaft, dazu viele Musical-Programmhefte – jedes einzelne eine Erinnerung an einen gemeinsamen Ausflug mit Mutter Eva nach München, Stuttgart oder Berlin. In Musicals gehen, das ist „ihr gemeinsames Ding“.

Viel Bling-Bling, Schmuck oder Schminke sucht man vergebens, anders als ihre Rolle der Franzi, der es nicht glamourös genug sein kann. Im Zimmer ein Trimmrad, denn sie will etwas für ihre Figur tun. Vater Stfean wohnt ein paar Straßen weiter, dort steht auch ihr Schlagzeug. Nur rund 15 Minuten Fußweg entfernt glitzert der Starnbergersee, hier findet man Luisa im Sommer oft beim Schwimmen. An der Freien Bühne München (kurz FBM) hat sie eine dreijährige Ausbildung zur Schauspielerin absolviert, ist Ensemblemitglied und mittlerweile Dozentin. An der FBM wurde sie für DIE GOLDFISCHE entdeckt. Im Roadmovie begeistert sie mit ihrem schauspielerischen Talent, seitdem jagt ein Interviewtermin den Nächsten – den sie meistens alleine wahrnimmt, ob in Hamburg oder Berlin.


Luisa Wöllisch über …

… ihr plötzliches Leben im Rampenlicht: „Ich find’s schön, der Publikumsliebling zu sein. Ich bin ja auch was Besonderes und das kann ich ruhig der ganzen Welt zeigen.“

… ihren Traumberuf: „Einen Plan B gibt es für mich nicht. Ich habe eine dreijährige Schauspielausbildung an der Freien Bühne in München absolviert, dort sogar gelernt, wie man auf Kommando weint. Man muss an Sachen denken, die einen traurig machen, sich da rein fühlen und dann kommen die Tränen von allein.“ 

…die Szene mit den Kamelen: „Das war lustig, aber auch anstrengend, den einige haben richtig gebockt und nicht das gemacht, was sie machen sollten. Abends im Hotel habe ich gemerkt, dass ich total nach Kamel rieche und meine Kleidung voll gesabbert ist.“

… das Textlernen:„Ich lerne vor allem durchs Hören – also habe ich mir den Text auf mein Handy gesprochen und dann immer wieder angehört.“

… das Leben nach dem ersten großen Kinofilm: „Der letzte Drehtag war nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte – das Leben geht weiter! Und außerdem sehen wir uns ja immer wieder, wie kürzlich bei der Premiere, oder bei gemeinsamen Presseterminen und Interviews.“

Axel Stein, der in dem Film einen Autisten spielt: „Er hat das so toll gespielt, dass ich es ihm abgekauft habe.“

… Hänseleien in der Kindheit: „In meiner Kindheit wurde ich nicht mehr oder weniger gehänselt, als andere Kinder auch – die Leute aus der Umgebung kennen mich ja nicht anders.“


Mutter Eva über …

… Luisas Kindheit: „Wir mussten schwer dafür kämpfen, dass Luisa in die Tutzinger Grundschule gehen durfte. Wir hatten das Glück, dass kurz vor Luisas Einschulung eine neue Direktorin kam, die für eine Inklusionsklasse aufgeschlossen war. Je nach Altersstufe haben wir mit Luisa immer wieder über ihr Down-Syndrom gesprochen und erklärt, was das ist.“

… Missverständnisse:„Es stört mich immer wenn ich lese jemand „leidet“ am Down-Syndrom, die Menschen „leiden“ nicht darunter. Sie haben es. Punkt. In vielen Köpfen existiert ein falsches Bild über das Down-Syndrom. Der Ausprägungsgrad der Behinderung hat bei Trisomie 21 eine sehr große Bandbreite, von einer stärkeren Behinderung, aber eben auch, bis hin zu einer nur sehr, sehr leichten Behinderung!“

… Luisas Beruf:  „Luisa ist so eine großartige Schauspielerin, sie sollte nicht nur Frauen mit Down-Syndrom spielen dürfen, sondern ganz normale Rollen, dann hätten wir Inklusion.“

…Luisas Zukunft: „Sie muss in die Welt hinaus!“

Text: Gesine Jordan // Fotos : Stefan M. Prager (1) / Matthias Fleischer (1) + Jürgen Olczyk (3) für Sony Pict.Entertainment Deutschland – Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG

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