Jennifer Knaeble, Monica Ivancan (r.)
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Wiesn 3.0

Mangio – ergo sum?! Mein erstes Oktoberfest seit ich nicht mehr Kolumnistin bei der Welt am Sonntag bin…

Die vergangenen 18 Jahre war ich in der ersten Wiesn-Woche (die bei mir schreibtechnisch bedingt von Samstag bis Donnerstag dauerte) durchschnittlich 12 mal auf der Wiesn. Das sah in der Vergangenheit beispielsweise so aus:

Samstag: Erst mal Frühstück bei Tiffany, der Geld- und echte Adel trifft sich im Laden zu Champagner und Weißwürscht zwischen funkelnden Diamanten, dann geht es per Bus-Shuttle zum Anstich ins Schützen-Festzelt (das sich seit der Zwangsschließung des Hippodroms zum neuen In-Zelt entwickelt hat, auch dank der frischen Führung der Next Generation von Matthias und Ludwig Reinbold). Abends dann nochmal Schützen-Festzelt, diesmal als Gast von Lodenfrey.

Sonntag: Brunch im Hotel Bayerischer Hof , wo man, neben der üblichen München-Prominenz, auch schon mal auf Hollywood-Schauspieler Ralf Moeller stoßen kann, und den Trachten-Umzug gemütlich aus dem ersten Stock verfolgt. Einziger Haken: solange der Umzug läuft, kannst Du nicht weg aus dem Hotel. Aber es gibt schlimmeres, als in einem Luxus-Hotel gefangen zu sein. Abends dann Ente und Kaiserschmarrn beim legendären Almauftrieb im ersten Stock der Käfer-Schänke, wo sich doch tatsächlich A-Promis wie Elyas M’Barek oder Boris Becker (dito 2019) einfinden.

Montag: Mittags Hendl essen bei Regine Sixts Damenwiesn, wieder im Schützen-Festzelt, und Smalltalk mit gefühlt 10 % der mehr als 1500 Frauen. Abends dann Salat und Braten mit Knödel beim Armbrustschießen im Armbrustschützenzelt (für alle Zuagroasten: Nicht zu verwechseln mit dem Schützen-Festzelt!) auf Einladung der BMW Niederlassung. Hier ist immer der Ehepaar-Anteil sehr hoch, was zu spannenden Momenten am Schießstand führt: Wer trifft besser ins Schwarze? SIE oder ER? Der Wiesn-Bummel mit Cathy Hummels sah dann so aus, dass ich einer Traube von Menschen und Kamera-Teams hätte folgen sollen, in deren Inneren die Fußballer-Gattin irgendwelche lustigen Wiesn-Sachen gemacht hat. Nicht mit mir. Wer bin ich denn?!

Dienstag: Mittags im Schützenfest-Zelt auf Einladung von Ingolstadt-Village, wieder die schwierige Entscheidung: Hendl oder Ente? Dabei Small-Talk mit Dana und Luna Schweiger. Fazit nach vier Tagen: Gott sei Dank habe ich rund 12 Dirndl, von Kleidergröße 34 bis 38…

Mittwoch: Diesmal startet der Wiesn-Tag mittags in der Käfer-Schänke bei der Mercedes-Benz-Damen-Wiesn (mit Bindestrich, sonst gibt es Ärger mit Regine Sixt) von Statthalter Ulrich Kowalewski, der sich als Hahn im Korb zwischen Stammkundinnen sichtlich wohl fühlt. Ich esse mich an der Brotzeitplatte satt, den Nachtisch gibt es dann in Werner Hochreiters kleinem Wiesnzelt Zur Bratwurst, wo Marianne und Michael zu ihrem Charity-Event Frohes Herz geladen haben. Abends wieder Armbrustschießen, diesmal von Heller & Partner (Kasspatzen). Bei der Blond-Wiesn der Schwestern Ayse und Hati Auth in der Käfer-Schänke schaue ich auf einen Verdauungsschnaps vorbei.

Donnerstag: Der erste Wiesn-Termin ist abends. Gott sei Dank! So habe ich Zeit, für meine Kolumne im Bayern-Teil der Welt am Sonntag, aus etwa 600 Wiesn-Fotos die besten 14 (!) auszuwählen und dem Layouter in Berlin zu schicken. Ein Platz bleibt frei: Abends steigt die Madlwiesn im Schützen-Festzelt mit vielen Influencern. Wußten Sie eigentlich, dass es für viele Influencer das Größte ist, in Bunte oder Gala abgedruckt zu werden?! Freitags ging es dann in die Redaktion zum Texten…

Wiesn 2019: Und heute? After der-Bayern-Standort-der-Wams-wird-in-vier-Wochen-ersatzlos-gestrichen? Bekomme ich immer noch die vielen Einladungen zur Wiesn? Werde ICH eingeladen und nicht die Kolumnistin? Wenn nicht, müsste ich mich in den 16 Tagen der fünften Jahreszeit erstmals seit 18 Jahren selbst verpflegen oder sogar verhungern? Und sind wir mal ehrlich, stehen die Einladungen nicht für viel mehr, als nur ein kostenloses Essen?

Regine Sixt hat ihre Einladungsliste zur Damenwiesn 2019 etwas eingedampft. 1300 Frauen waren es trotzdem. Einige Unternehmerinnen schafften es auch mit viel Engagement nicht, an eines der begehrten Tickets zu kommen. Ganz im Sinne von Baby Schimmerlos: In ist, wer drin ist! Also nicht mangio – ergo sum, oder cogito – ergo sum, sondern ich bin eingeladen, also bin ich?!

Ich werde morgen darüber nachdenken. Ich muss jetzt auf die Wiesn. Ins Weinzelt von Stephan Kuffler. Auf Einladung. Ich bekomme sie noch. Alle. 2019 ist 2018, nur ohne WamS. Und ohne Redaktionsschluss. Zwischen Hendl und Ente muss ich mich gleich nicht entscheiden: Es wird Wiener Schnitzel. Das beste Wiener Schnitzel der Wiesn, ach was, der Stadt. Aber psst, nicht weitersagen…

Text: Gesine Jordan // Fotos: Gisela Schober für Getty Images for Tiffany & Co (5), J.Reetz für BrauerPhotos für Sixt (1)/ Andrea Auer für privat (1)

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